Sonntag, 18. Oktober 2009

Resilienz

470. Tag / 1 Jahr und 105 Tage - 1 Jahr und 28 Tage korrigiert

Das eigene Bett ist ja irgendwie doch das Schönste !
Während ich in Dänemark jede Nacht ein paar Mal wach war, habe ich von 22 Uhr bis 7.30 Uhr durchgeschlafen !
Und Oma Gartens gedünste Äpfel, die ich in Dänemark täglich gefuttert habe, entfalten auch langsam ihre Wirkung. Ich habe heute 5x geschietert !
Das sind keine Boxhandschuhe ! Wir haben nur mal nachgeschaut, ob ich für den Winter Handschuhe habe. Hab ich und passen tun sie auch.
Dafür ist mein Krankenhausgeschenk jetzt zu klein.
Oma Neustadt kam mit Apfelkuchen a la Oma Verden zum Kaffeebesuch. Ich habe ihr erzählt, wie schön es in Dänemark war und mich ganz doll gefreut, sie zu sehen.
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Im aktuellen Stern Nr. 43 beginnt eine neue Serie „Was die Seele stark macht“.
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Mutti hat das Magazin mit in die Badewanne genommen und zunächst das Editorial gelesen:
Zitat:
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„Sie müssen jetzt stark sein.“ Das ist der Satz, mit dem schlechte Nachrichten überbracht werden. Ein nahe stehender Mensch ist gestorben, eine schlimme Krankheit ist entdeckt worden, der Job wird überraschend gekündigt. Aber wie wird man stark ? Wie kommt es, dass manche Menschen an Belastungen zerbrechen, während andere scheinbar nicht zu erschüttern sind ? Was macht die Psyche krisenfest ? Das ist der Gegenstand der Titelgeschichte, die unsere neue Serie einleitet. Es geht um Resilienz, ein sehr aktuelles Thema in der Psychologie. Der Begriff kommt vom lateinischen „resiliare“, was so viel heißt wie „zurückspringen“ oder „abprallen“. Gemeint ist die Widerstandskraft der Seele. Sie ist nicht einfach angeboren. Sie entsteht im Wechselspiel von Genen und Erfahrungen, beschreibt Stern-Redakteurin Katharina Kluin am Beispiel von Menschen, die es geschafft haben, schweren Stürmen zu trotzen.
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„Na“, hat Mutti gedacht, „das klingt ja spannend ! Mal sehen, was die schreiben.“
Schups hat sie Seite 64 aufgeschlagen.
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„Neue Serie: Warum finden die einen nach dem Verlust ihres Jobs neuen Mut und andere nicht ? Weshalb überwinden mache Scheidungen schnell, während andere daran zerbrechen ? Psychologen haben das Geheimnis der inneren Kraft erkundet: Die Widerstandsfähigkeit der Seele ist nicht einfach angeboren. Sie lässt sich gezielt fördern – ein Leben lang.“
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Als sie das gelesen hat, lehnte sie sich entspannt zurück und dachte „Pööh ! Job ? Scheidung ? Bullshit ! Was sollte mich noch erschüttern ? Ich bin ein Stehaufmännchen, das sich von selbst wieder aufrichten kann, egal in welche Position man es legt. Spätestens seit dem Juni/Juli 2008 und speziell dem 22.07.2008 übersteh ich alles...! “
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Und auf Seite 66 leuchtete sie dann das Heft „Leben mit Down Syndrom“ an, dazu ein Bild von einem Mädchen mit Trisomie 21 und der Text: Judith Hennemann, 37, Sozialpädagogin und dreifache Mutter. Ihre zwölfjährige Tochter Rahel hat das Down Syndrom.
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Yep ! Das traf Mutti nun völlig unerwartet, damit hatte sie irgendwie nicht gerechnet und sie hätte fast das Heft ertränkt und wäre selbst untergegangen.
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Hier Auszüge aus dem Artikel…
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Die Frage, ob alles in Ordnung sei, hatte Judith Hennemann nach der Geburt ihrer Tochter eher beiläufig gestellt. Das fragt man eben so. Doch die Ärztin zögerte. „Sie ist gesund so weit. Aber ich glaube, sie hat die Trisomie 21, das Downsyndrom“, sagte sie dann und brachte Rahel in den Untersuchungsraum. Danach war es sehr ruhig im Kreißsaal. Ganz still lag die jungen Mutter da und wagte kaum, den Blick zu heben und ihren Mann anzusehen. Den Mann, mit dem sie sich so sehr auf dieses Kind gefreut hatte. Sie wollte nicht, dass das Glück nun Schaden nahm. Der erste Blick nach der Diagnose, das ahnte sie, würde eine Übereinkunft darüber sein, wie es weitergehen sollte. Wenn sie jetzt Angst oder Trauer in seinen Augen sähe, würde ihnen der ständige Kampf gegen die Enttäuschung bevorstehen Sie wollte das nicht. Sie wollte sich freuen. Dann sah sie ihn an. Er lächelte: „Auch gut. Das schaffen wir schon.“
Seither sind zwölf Jahre vergangen, in denen es viele schwierige Momente gab. Enttäuschende Reaktionen von freunden, Kämpfe mit der Krankenkasse, mit der Pflegekasse, den Schulbehörden. Aber diese Momente, sagt die heute 37-jährige, wögen nichts gegen die Kraft, die ihre Familie ihr gibt. Wenn sie zuhause in Bremen am Küchentisch sitzt und von ihrem Mann erzählt, vom Alltag mit der behinderten Tochter und den beiden anderen Kindern, dann klingt sie nicht überlastet, sondern erfüllt. Und ungeheuer stark.

Kaum ein Leben, das nicht irgendwann ins Wanken gerät. Menschen verlieren ihre Arbeit, werden krank, lassen sich scheiden. Sie müssen Abschied nehmen von Angehörigen, werden Opfer von Gewalt, erleben Krieg oder Flucht. Manche zerbrechen an ihrem Leid. Andere überstehen es erst nach langem, kräftezehrendem Kampf. Und dann gibt es Menschen wie Judith Hennemann, die andere staunen lassen, weil sie kaum zu erschüttern sind.

Wie gelingt ihnen das ? Was macht sie stark ? Jahrzehntelang haben sich Psychologen vor allem mit dem Scheitern befasst, haben nach den Ursachen für Depressionen, Ängste und Zusammenbrüche gesucht. Erst spät rückte die Frage in den Fokus, was Menschen durch die Stürme des Lebens hilft, wie sie ihre Kraftquellen besser nutzen können. Stärken zu entdecken und gezielt zu fördern wurde nach diesem Richtungswechsel zur zentralen Aufgabe der „Positiven Psychologie“.

Ihre Erkenntnisse dienen heute nicht mehr allein der Therapie, sondern vor allem der Prävention. Sie können all jenen helfen, die sich vorsorglich standfester machen wollen – für Krisen, die noch kommen, aber auch für die ganz alltäglichen Widrigkeiten. Denn innere Stärke ist nicht einfach angeboren. Seelische Nachrüstung ist ein Leben lang möglich.

Auch Judith Hennemann hat sich immer wieder aus dunklen Momenten befreien können, weil sie wußte, was ihr gut tut. Eines Vormittags etwa fand sie Rahels Schwerbehindertenausweis in der Post – das Dokument, das so gnadenlos sachlich dokumentiert, dass Rahel nie ein gewöhnliches Leben führen wird. „Ich habe mich von Anfang an geweigert zu leiden“, sagte sie. Auch dieses Mal entschied sie sich gegen die Trauer. Sie legte den Ausweis in eine Schublade, ging hinaus ins Kinderzimmer – und betrachtete lange ihre schlafende Tochter. „Ich sah sie da in ihrem Bettchen liegen, so hübsch und so beschützenswert, dass ich sofort wieder ganz sicher war: Das alles lohnt sich.“
„Resilienz“ nennt die Psychologie diese innere Stärke – nach dem lateinischen Wort "resiliare" für abprallen, zurückspringen, wieder auf die Füße kommen. Ein starker Baum biegt sich im Sturm, aber er bricht nicht. [Der Begriff kommt aus der Naturwissenschaft. In der Physik etwa beschreibt Resilienz die Eigenschaft eines Materials, nach einer Belastung in den Ausgangszustand zurückzukehren, Fehler oder Störungen zu tolerieren.]
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Die bislang aufwendigste Untersuchung zu dieser seelischen Widerstandskraft veröffentlichte Mitte der 90er Jahre die amerikanische Psychologin Emmy Werner. Über 40 Jahre hatte sie die Entwicklung von 698 Kindern auf der hawaiischen Insel Kauai verfolgt. Sie waren oft unter medizinischen Komplikationen auf die Welt gekommen, in Armut aufgewachsen oder lebten in Familien, die von Streit, Bildungsmangel oder psychischer Krankheit geprägt waren – laut Risikoforschung die denkbar schlechtesten Bedingungen für den Start ins Leben.

„Doch ein Drittel dieser Kinder entwickelte sich zu selbstbewussten, kompetenten und fürsorglichen Erwachsenen“, berichtete Werner. Sie kamen in der Schule gut voran, ergriffen Berufe, die ihren Fähigkeiten entsprachen, keines von ihnen wurde arbeitslos oder kriminell. Was sie einte, ist inzwischen in einer Flut von Resilienzstudien bestätigt: Fast immer gibt es eine zentrale Bezugsperson in der Geschichte der Glückskinder – nicht zwingend Mutter oder Vater, sondern vielleicht eine Tante, Großeltern, Lehrer oder Lebenspartner. Vor allem aber gelingt es den Widerstandsfähigen, sich bei diesen Mentoren gezielt die Hilfe zu suchen, die sie brauchen.Diese Fähigkeit gilt inzwischen als einer der wichtigsten Schutzfaktoren für die Seele. [Kinder müssen nicht in Watte gepackt werden, brauchen aber eine liebevolle Umgebung. Negative Erfahrungen machen sie früher oder später zwangsläufig. Wichtig ist nur, sie damit nicht alleine zu lassen, sondern sie bei der Bewältigung ihres Problems zu unterstützen. Auch wenn man es anders vermuten würde, sind resiliente Kinder nicht "tough". Forscher haben festgestellt, dass sie eher Schwächen zugeben und andere um Hilfe bitten als nicht resiliente Altersgenossen.]

Dass die seelisch Starken wissen, was und wer ihnen gut tut, und dass sie sich rechtzeitig diese Hilfe holen, ist offenbar eine Folge ihrer Persönlichkeitsstruktur. In psychologischen Tests zeigt sich ihr ausgewogenes Temperament: sie sind emotional ausgeglichener und eher extravertiert, sind offener für Neues und für ihre Mitmenschen, dabei verträglich und gewissenhaft.

Doch diese Persönlichkeitsstruktur ist kein Muss. Sie erleichtert es lediglich, eine Erfahrung zu machen, die auch ganz anders Gestrickte haben können: Krisen allein oder mithilfe anderer bewältigen zu können. „Egal, wie schwer manches auch auszuhalten ist, irgendwann blickt man auf diese Zeit zurück und weiß, man hat es geschafft“, sagt Rahels Mutter Judith Hennemann.
Daraus entwickelt sich ein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, das Psychologen „Selbstwirksamkeit“ nennen. Ein weiterer wichtiger Schutzfaktor für die Seele, eine rettende Insel im Alltagsstreß. Wer die Sicherheit hat, sich selbst wirksam aus Schwierigkeiten befreien zu können, sieht sich nicht als Opfer der Verhältnisse oder als Spielball des Schicksals. Er schöpft Kraft aus der Überzeugung, sein Schicksal beeinflussen zu können. [Forscher haben festgestellt, dass resiliente Menschen sich eher auf die Lösung als auf das Problem oder die Umstände konzentrieren. Sie sind nicht passiv, sondern aktiv.]

Der feste Glaube der Überlebenskünstler an bessere Zeiten ist oft untrennbar an ihre Überzeugung geknüpft, die Krise sei für etwas gut. Sie sind Meister darin, einen Sinn zu sehen, in dem was geschehen ist. Das gelingt vielen durch spirituellen Glauben – die Krise wird zur Prüfung, zur Herausforderung, der man nicht allein gegenübersteht. Andere bringen neue Ordnung in das plötzliche Chaos ihres Lebens, indem sie das Geschehene als Teil einer Entwicklung deuten, aus der sich auch neue Chancen ergeben. „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht“, sagte der frühere tschechische Staatspräsident und Autor Vaclav Havel einmal.

Viele der seelisch Starken strahlen eine so selbstverständliche Zuversicht aus, dass man glauben könnte, sie wären so zur Welt gekommen. Als trügen sie ein Gen für Unverwüstlichkeit. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass sie einen Teil dieses Lebensmutes ihrem Erbgut verdanken.
Doch eben nur einen Teil. Zwar ist inzwischen eine ganze Reihe von körpereigenen Botenstoffen bekannt, die die Ausprägung der Persönlichkeit beeinflussen und deren Aktivität und Vorkommen von Genen geregelt werden. Dich ob diese Gene überhaupt Einfluß bekommen oder ob sie lebenslang schweigen, hängt vor allem von den Erfahrungen ab, die ein Mensch macht.
Zu den allerersten und prägendsten dieser Erlebnisse gehört die Bindung zu anderen Menschen, in den ersten drei Lebensjahren vor allem zur Mutter, zum Vater oder zu einer anderen Person, die deren Rolle übernimmt. Doch die Belege mehren sich, dass solch frühe Erfahrungen nicht allein für spätere psychische Stabilität verantwortlich sind. „sichere Bindung ist keine Schutzimpfung für das ganze Leben“, sagt Friedrich Lösel, Direktor am Kriminologischen Institut der Uni Cambridge und dem psychologischen Institut der Universitäten Nürnberg-Erlangen. Und umgekehrt gilt: „Missglückte Bindungserfahrung kann im späteren Leben durchaus noch ausgeglichen werden.“
Daß die Zukunft immer Hoffnung birgt und dass Resilienz eine Eigenschaft ist, die sich auch später im Leben noch entwickeln lässt, zeigte auch Emmy Werner bei ihren hawaiischen Kindern. Nicht alle, die in den ersten drei Lebensjahrzehnten zu wenig Widerstandskraft hatten, ihren schwierigen Lebensumständen zu trotzen, blieben schwach. Im Gegenteil, die meisten von ihnen brachten spätestens als Mittdreißiger eine seelische Stärke hervor, die ihnen half, ihr Leben in eine andere Richtung zu lenken. In dieser Phase gab es entscheidende Wendungen, die ihnen neue Kraft gaben. Sie hatten einen Beruf gefunden, der sie erfüllte, einen Ehepartner, der sie glücklich machte, schwere Krankheit oder anderes Unglück erlebt, das sie läuterte. Dies sei eine der wichtigsten Erkenntnisse ihrer Arbeit, so Werner: dass auch die, die bereits als verloren gelten, noch die Kraft für ein besseres Leben aufbringen können. Umso mehr gilt das für all jene, die in einer viel stabileren Umgebung leben – wenn sie in ihrem Alltag die richtigen Energiequellen finden.

„Quellen von Resilienz finden Menschen in den vielfältigen Bereichen, in denen sich ihr Leben abspielt: in der eigenen Geschichte, in der Familie, in Nachbarschaft, Arbeitswelt oder Schule“, sagt die Schweizer Therapeutin Rosmarie Welter-Enderlin, die vor vier Jahren einen internationalen Kongreß zur Resilienzforschung einberief. Zu wissen, was einem gut tut, öffnet eine Fundgrube für den Selbstschutz.
„Wenn man seine Psyche stärken will, muß man zunächst einmal bereit sein zu hinterfragen“, sagt der Marburger Psychologe Gert Kaluza. „Ist mein Leben so aufgestellt, dass es dem nächsten Sturm trotzen wird ?! Nicht umsonst fallen die Resilienten in Studien als besonders reflektierte Menschen auf, als solche, die sich selbst und ihre Bedürfnisse sehr gut kennen.
Wer einen klaren Blick auf die eigene Psyche hat, der weiß, ob er einen fürsorglichen oder einen fordernden Partner braucht. Ob er der Verantwortung des Chirurgenberufs gewachsen sein wird oder ob er womöglich als Forscher glücklicher wäre. Er kann die wichtigsten Pfeiler seines Leben- seine Partnerschaft, seine Arbeit, seinen Freundeskreis – so gestalten, dass sie seinen Wünschen und Fähigkeiten möglichst weitgehend entsprechen. Damit werden sie zu unschätzbaren Kraftressourcen.

So hilft die Orientierung an dem, was wirklich wichtig ist, das zu akzeptieren, was sich nicht ändern lasst. Auch das ist eine der Gaben der seelisch Starken. Sie klammern sich nicht an Ansprüche oder Lebensentwürfe, vergeuden ihre Kraft nicht im Hadern, sondern lenken sie bald auf die Bewältigung ihrer Herausforderungen.
Nach ihrer geistig behinderten Tochter Rahel bekam Judith Hennemann zwei weitere Kindern, beide ohne Behinderung. Meret und Bela. Ihr viertes kommt in zwei Wochen. Bei keiner Schwangerschaft hat sie eine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen. „Warum auch ?“, sagt sie. „Wir nehmen das, was kommt.“

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