Freitag, 13. November 2009

Ole schreit deutsch

495. Tag / 1 Jahr und 130 Tage - 1 Jahr und 53 Tage korrigiert

"So ist das Leben", sagte der Clown. Und mit Tränen in den Augen malte er sich ein Lächeln ins Gesicht.
Wußtet Ihr übrigens, das ich "deutsch" schreie ?
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Sprache beginnt früher als bisher angenommen. Selbst Neugeborene schreien in ihrer Muttersprache.
Bad Homburg (fm). Französische Säuglinge schreien anders als deutsche - schon in den ersten Tagen ihres Lebens: Die kleinen Französinnen und Franzosen häufiger mit ansteigenden Schreimelodien, die kleinen Deutschen eher mit fallender Tonhöhe. Vermutlich machen sich bereits in den ersten Tagen unterschiedliche Betonungsmuster in den beiden Sprachen bemerkbar, die von den Föten bereits im Mutterleib wahrgenommen und später reproduziert werden.
Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Würzburg, Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften sowie des Laboratoire de Sciences Cognitives et Psycholinguistique der Ecole Normale Supérieure in Paris in einer Untersuchung, über die die Fachzeitschrift Current Biology in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet - so eine Pressemeldung der Universität Würzburg.
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Hunger, Durst, Sehnsucht nach Mama
Hunger, Durst oder einfach nur Sehnsucht nach ihrer Mutter? Die Wissenschaftler standen mit ihren Mikrofonen parat und zeichneten das Schreien der Kleinen auf. Kathleen Wermke, Leiterin des Zentrums für vorsprachliche Entwicklung und Entwicklungsstörungen an der Poliklinik für Kieferorthopädie am Würzburger Universitätsklinikum, und ihr Kollege Werner Mende von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften haben zuerst Belege dafür geliefert, dass Sprache bereits mit den ersten Schreimelodien beginnt.
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Wann beginnt Sprache ?
Dass Babys im letzten Drittel der Schwangerschaft die Stimme der Mutter erkennen und die "Muttersprache" von einer Fremdsprache unterscheiden können, ist schon lange bekannt. Klar war auch, dass Neugeborene schon nach wenigen Monaten die Technik beherrschen, in ihren Schreien einfache Melodiebögen und unterschiedliche Betonungen zu erzeugen. Die Diskussion drehte sich in erster Linie um die Frage, wann sich aus einem "unkontrollierten Schrei" das erste "Sprachprodukt" entwickelt."Die vorherrschende Meinung war bisher, dass Neugeborene nicht aktiv auf die Lautproduktion Einfluss nehmen können", sagt Kathleen Wermke. Stattdessen galt die Überzeugung, die Schreimelodie von Neugeborenen werde wie bei Affenjungen allein durch Aufbau und Abfallen des Atemdrucks bestimmt und sei nicht vom Gehirn beeinflusst. Diese Ansicht hat das Forscherteam jetzt widerlegt.
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Signifikante Unterschiede in Melodie und Rhythmus
Die Wissenschaftler haben sich für ihre Untersuchung auf deutsche und französische Neugeborene konzentriert, weil zwischen diesen beiden Sprachen besonders große Unterschiede in der Intonation, also der Melodie und dem Rhythmus, existieren: "Im Französischen werden sehr viele Worte zum Ende hin betont, so dass die Sprachmelodie ansteigt, im Deutschen ist es meist umgekehrt", erklärt Angela Friederici vom Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. So betonen beispielsweise französische Kinder bei "Papa" das zweite A, während die deutschen das erste A betonen.
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Französischen Säuglinge schreien in ansteigenden Melodien
Ein ähnliches Muster fand Kathleen Wermke in ihren Analysen der mehr als 20 Stunden Schreiaufnahmen: "Die Neugeborenen bevorzugen genau diejenigen Melodiemuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind", so Wermke. Was bedeutet: Die Schreimelodie der deutschen Säuglinge beginnt häufiger mit einem anfänglichen Maximum und zeigt dann eine abfallenden Kurve. Die französischen Säuglinge schreien dagegen öfter in ansteigenden Melodien und betonen damit das Ende stärker. Damit reproduzieren sie genau diejenigen Intonationsmuster, die für ihre jeweiligen Muttersprachen typisch sind.
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Die Schreimelodie hilft beim Sprache lernen
Die frühe Sensibilität für sprachmelodische Eigenschaften könnte den Säuglingen später beim Erlernen ihrer Muttersprache helfen, so die Forscher. "Die im Weinen trainierten Melodiemuster sind Bausteine für die nachfolgenden Lautproduktionen, wie dem Gurren und Babbeln bis hin zu den ersten Worten und Sätzen", sagt Wermke. Die Wurzeln dieses Verhaltens liegen nach Ansicht der Forscher am Beginn der Evolution gesprochener Sprache vor mehreren Millionen Jahren. Es hat sich gemeinsam mit einem spezifischen Mutter-Kind-Verhalten entwickelt.
Das neue Wissen um den frühen Start des Spracherwerbs könnte nach Ansicht von Kathleen Wermke dazu beitragen, Sprachentwicklungsstörungen frühzeitig zu entdecken und dann umso besser zu behandeln. "Wenn sich zeigt, dass die Schreimelodie als Hinweis auf eine mögliche Störung nutzbar ist, trägt das natürlich dazu bei, frühzeitig eine Diagnose zu stellen", so Wermke. Schon 2007 hat ein Forscherteam um Kathleen Wermke gezeigt, dass die Melodiemuster der Schreie junger Säuglinge ein potentieller Risikoindikator für spätere Sprachentwicklungsstörungen sind.

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